ART BY HEART  -  Aktuelle Konzert-Kritiken

 

Christian Willisohn: Der Blues ist sein Lebenselixier
Donaukurier / Künstler Portrait am 23.01.2009

 

Langenthal (CH) 16.10.2009

 

Rothenburg 02.10.2009

 

Konzert: Christian Willisohn & Boris van der Lek am 06.03.2009 in Oberndorf am Neckar

Schwarzwälder Bote / NACHRICHTENTICKER OBERNDORF A.N. 

Den Blues im Herzen

Oberndorf. Christian Willisohn und Boris van der Lek verwandelten die Oberndorfer Klosterkirche am Freitag in ein Mississippiboot, auf dem es zwei Stunden lang Blues, Jazz und Boogie Woogie vom Feinsten zu hören gab. Mit ihrer Musik übertrugen sie die Lebensfreude und die musikalische Vielfalt von New Orleans auf das Publikum. Willisohn sagte über seine Musik: »Der Blues ist ein Grundgefühl, ein Herzschlag, den jeder besitzt.« Offensichtlich haben beide Musiker den gleichen Herzschlag, verströmten sie doch Harmonie, technische Perfektion und Rhythmus in der Klosterkirche. Nicht von ungefähr wird Boris van der Lek als einer der besten Saxophonisten der Welt gehandelt. Was er seinem Instrument entlockte, war fast schon genial. Bei Christian Willisohn suchte man immer wieder vergebens nach dem zweiten Pianisten, war es doch für viele Zuhörer fast nicht nachvollziehbar, dass diese Musik mit nur zwei Händen machbar ist. Willisohn brachte es fertig, gleichzeitig zu singen, Klavier zu spielen und mit dem Fuß noch den Takt auf der Bühne zu schlagen. Aber selbst dabei vergaß er nicht, nebenher noch mit dem Publikum zu kokettieren. Willisohn ist nicht nur Sänger und Pianist, er ist auch ein Entertainer par excellence.Für die Musikszene war es ein Meilenstein, als sich die Beiden 1987 bei einem Konzert in München kennen lernten. Hier haben zwei geniale Musiker zusammengefunden, denen man die Freude an ihrer Musik in jeder Phase des Konzerts ansieht, die ihre Musik leben und in der Lage sind, das Publikum in den Bann zu ziehen. Wenn die Beiden sich mitten im Song gegenseitig Beifall spenden oder anerkennend zunicken, spürt man, wie sie zueinander stehen, ein »Dream-Team des Blues«.Das Kulturamt der Stadt Oberndorf hat mit der Verpflichtung dieser beiden Künstler einen guten Griff getan.

Von Dieter Wagner

 

Konzert: Christian Willisohn & Boris van der Lek am 07.03.2009 im Stadttheater in Neuburg an der Donau

Neuburger Rundschau am 10.03.2009

Wo Blues drauf steht, ist auch Blues drin

Neuburg (claf) - „Ich habe nichts als den Blues“, heißt es in einem bekannten Jazz-Standard. Und genau so vollgesogen mit tiefstem Blau präsentiert sich das Duo Christian Willisohn und Boris van der Lek im Neuburger Stadttheater, aus dessen Rahmen sie eindeutig ein wenig herausfallen. Denn wie passt diese emotionale Intensität des Blues, diese tiefe Magie einer musikalischen Trotzhaltung zu den geordneten Stuhlreihen? Gar nicht, will man antworten, schon als die erste Dissonanz über einen hereinbricht. Aber der Klavierstuhl wurde durch einen Hocker in Form eines Schafs ersetzt. Und dieses wackelt beschwichtigend mit dem Kopf. „Es ist alles gut“, heißt das. „Macht die Augen zu, dann hört ihr, wo ihr seid.“

Willisohn führt und entführt, mit fast klassisch angehauchten, brachialen Akkorden, dann wieder mit einer swingenden Blues-Skala im Walking-Bass, mit luftig-leichten Improvisationen, einem dicken Grinsen auf den Lippen und dem tiefen Verständnis dafür, dass der Blues die Aufgabe hat, zu heilen.

Tenorist Boris van der Lek steht seinem Duopartner in nichts nach: Ein variables, meisterhaft geblasenes Saxofon, zart und melancholisch in den Begleitlinien, rotzig, dreckig und frech in der Improvisation, mit einem ellingtonisch-heiseren Ton.

Sie sind keine Nostalgiker, die beiden. Keiner von ihnen verharrt in der Geschichte des Blues. Was sie machen, ist etwas eigenes, das so spontan aus ihnen herauskommt, dass es einfach Spaß machen muss, auch, wenn die beiden Musiker das unendliche Gefühlsspektrum des Blues intus haben: Da wird gewippt, genickt, geklatscht, gejubelt, das Publikum tut alles, um die geordneten Stuhlreihen hinter sich zu lassen.

„Wir spielen jetzt eines unserer Lieblingslieder“, kündigt Willisohn „Drown in tears“ an. Und dann ertrinkt man wirklich. In pianistischer Akrobatik, in strahlend schönem Tenorton. Es ist ja nicht so, dass sie keine Klischees bedienen. Nein, schon nach den ersten Takten ist klar: Wo Blues draufsteht, ist auch Blues drin. Aber sie tun es so individuell, in sich versunken, ineinander verwoben und gleichzeitig offen, dass es einen mitreißt. „Geht’s euch gut?“, fragte Christian Willisohn zu Beginn.
Ja! - Und jetzt erst recht.

 

 

   
 

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